Geotop Felsenlabrinth Luisenburg


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Felsenlabyrinth der Luisenburg in Wunsiedel

"Der Granit lässt mich nicht mehr los"

Zusammenfassung: Das Nationale Geotop Felsenlabyrinth Luisenburg in Wunsiedel im Fichtelgebirge ist sowohl ein geologisches Objekt ersten Ranges als auch ein kultur- und geowissenschaftsgeschichtlich bedeutendes Ziel im GEOPARK Bayern-Böhmen. Das Gewirr aus riesigen, bis hausgroßen Granitblöcken in originärer wie verlagerter Position ist aus der Kombination der Freilegung innerhalb einer Verwitterungsdecke entstandener Granit-Felsgruppen und gravitativen Hangprozessen (Felsstürze, Hangzerreißung, Hangrutsche) entstanden. Die Erschließung des Labyrinths zwischen 1790 und etwa 1820 galt der Schaffung eines bürgerlichen Landschaftsgartens im englischen Stil, danach stand das Naturerlebnis für mehr als 170 Jahre im Vordergrund. Die einstige "Gartenanlage im Berg" geriet nahezu in Vergessenheit. Seit 2005 präsentiert die Stadt Wunsiedel, seit 2007 mit Unterstützung auch durch den GEOPARK Bayern-Böhmen, alle Seiten der Luisenburg.

Ein berühmter Besucher: Johann Wolfgang von Goethe

Das im Titel genannte Zitat wird einem der bekanntesten Besucher des Felsenlabyrinths zugeschrieben: dem Dichterfürsten und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe. Es soll aus einem Brief Goethes an Charlotte von Stein stammen (VOLLRATH 1982). Aufgefunden wurde das Zitat bislang jedoch nicht. Goethe beschäftigte sich allerdings immer wieder sehr intensiv mit dem Granit, den er als das Urgestein der Erde ansah (GOETHE 1784). 1785 besuchte er das damals noch "Luxburg" genannte Felsenmeer auf der Nordostseite der Kösseine. In den Jahren zuvor hatte er den Granit im Harz eingehend studiert und wollte nun im Fichtelgebirge seine Thesen zu dessen Entstehung überprüfen. Tatsächlich wandte er sich jedoch mehr den Verwitterungsformen des Granits zu.

Im Volksglauben herrschte zur damaligen Zeit die Ansicht, das Wirrwarr der umgestürzten Granitfelsen und -blöcke sei durch Erdbeben - die es in der Region durchaus zu spüren gibt - oder durch sintflutartige Regenfälle entstanden. Goethe war der erste, der natürliche Verwitterungsvorgänge dafür verantwortlich machte. So führe das Herauswittern einzelner Bestandteile eines Felsen zum Zusammenbruch einer ganzen Felsformation. Damit kam Goethe den heutigen Vorstellungen zur Entstehung des Felsenlabyrinthes schon recht nahe.


Zeichnung von J.W. v. Goethe zur Erklärung des Felsenmeeres durch den Zerfall ursprünglich zusammengehöriger Gesteinsblöcke (GOETHE 1785). Rechts ist jeweils der heutige Zustand dargestellt, links der frühere mit den ergänzten Bereichen in dunkler Einfärbung.

Heute stellt sich die Entstehung des Felsenlabyrinths wie folgt dar (vgl. die nachfolgende Abbildung): Die Granite der Luisenburg weisen ein ausgeprägtes Kluftsystem auf. Neben den vertikalen Klüften treten subhorizontale und (sub-)hangparallele Kuftscharen auf. Letztere haben zusammen mit steilen, hangparallel verlaufenden Klüften große Bedeutung als Bruch- und Gleitflächen bei den Hang- und Blockbewegungen im Labyrinth. Eine besondere Bedeutung haben sogenannte Exfoliationsklüfte. Das sind solche Klüfte, die infolge der Entlastung der Granite als Folge der Abtragung der ursprünglich auflagernden Gessteinsschichten entstanden sind. Durch die Entlastung dehnt sich der Granit senkrecht zur Geländeoberfläche aus und es kommt zu Dehnungsklüften, die parallel zur Geländeoberfläche verlaufen.

Bei den Exfoliations-Kluftflächen sind vermutlich verschiedene Generationen zu unterscheiden. Die subvertikalen von ihnen dienten wie auch die steilen tektonischen Klüfte als Gleitflächen, sobald die Hangfüße der Felsformationen instabil wurden. Der größte Teil des Granitlabyrinths besteht aus Granitfelsen im originalen Gesteinsverband. Teile von diesen wurden - und werden es bis heute - in steiler Hangposition disloziert. Die ursprüngliche Formung eines großen Teils der Felsburgen erfolgte subkutan, d.h., in einer mächtigen (tertiären) Verwitterungsdecke, die heute in Form von Grus (Grus-Saprolith) reliktisch vorhanden ist. Typische Wollsackformen können dieser subkutanen Prägung zugeordnet werden. Die Abspülung der Saprolithe und solifluidale Prozesse haben in Kombination mit den gravitativen Hangprozessen dazu beigetragen, teilweise mehrere 10er Tonnen schwere Granitblöcke hangabwärts zu bewegen. Ursprünglich als „Kernsteine“ (core stones) in der Verwitterungsdecke „schwimmende“ Granitblöcke wurden wurden bei der Abtragung der Saprolithe auf freigelegte Granite „abgelegt“. Sie können diesen daher in teils kurioser Form auflagern (z.B. „Napoleonshut“, „Drei Brüder“).




Schematische Darstellung der Entwicklung der Luisenburg (aus: PETEREK & ROTH 2018).
A | Intensive chemische Verwitterung mit unterschiedlichem Tiefgang, v.a. in Bereichen engständigerer Klüftung. Einige Granitfelsen sind durch die Abtragung in Hanglage bereits freigelegt.
B | Fortentwicklung der Verwitterung, zunehmend oberflächennahe und zur Oberfläche parallele Entlastungsklüfte. Zu den vertikalen und subhorizontalen Klüften kommen hangparallele Klüfte hinzu.
C | Durch die Hanglage kommt es bereits zum Abgleiten von Granitblöcken. Z.T. stürzen diese auf das Verwitterungsmaterial.
D | Weiterer Zerfall der Felsengruppen. Durch Abspülung des Verwitterungsmaterials werden große Blöcke horizontal und vertikal verlagert.
E | Heutige Situation (schematisch).



Zur Kulturgeschichte der Luisenburg
Die Luisenburg ist nicht nur ein Geotop ersten Ranges. Auch ihre Geschichte als ein von Bürgern erschlossener Landschaftsgarten macht sie zu einem besuchenswerten Ziel. Vorbilder waren vermutlich die von Markgräfin Wilhelmine in „Sanspareil“ (Fränkische Schweiz) und in der „Eremitage“ (Bayreuth) in der Mitte des 18. Jahrhunderts geschaffenen Landschaftsgärten.

Die erste Ausbauphase der Gartenanlage dauerte von 1790 bis etwa 1800. Es wurden Wege angelegt (z.T. unter Freischlagen und Wegsprengen von Felsstücken), Plätze gestaltet, Sümpfe trocken gelegt und Bepflanzungen vorgenommen. Diese Anlage bezeichnete man als Luxburg. Sie wurde anlässlich des Besuches des preußischen Köngispaares Friedrich Wilhelm III. und Luise 1805 unter Wahrung des damaligen Charakters erweitert. Einweihung war am 14. Juni 1805 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung mit Volksfest, Gewerbeschau und Schützenfest. Am alten Theaterplatz unterhalb des Luisensitzes wurde im Beisein des Dichters Jean Paul dessen Ode „Wechselgesang der Oreaden und Najaden“ in einer musikalischen Fassung uraufgeführt. Im Verlauf ihres dreiwöchigen Aufenthaltes durchstreifte die Königin das Felsenlabyrinth mindestens drei Mal.

Ein zweite Erweiterung fand die Luisenburg in den Jahren 1811 bis 1815. Braun (2005) überschreibt dieses Kapitel treffend mit „In Stein gesetzte Politik“. Wegeführung und Bennennung der Felsformationen spielen auf die Zeit der von Napoleon gegenüber Großbritanien verhängten Kontinentalsperre an. Dies war durchaus gewagt, da das noch junge Königreich Bayern noch bis 1813 mit Napoleon verbündet war. So wird im Labyrinth auf die durch den Wunsiedler Zuckerfabrikanten Florentin Theodor Schmidt umgangene Einfuhrsperre auf Zucker aus den britischen Kolonien, vermutlich durch Schmuggel über Helogland und Böhmen, eingegangen.

Florentin Theodor Schmidt gehörte Anfang des 19. Jahrhunderts zu den wichtigsten Sponsoren für den Ausbau und die Erhaltung des Felsenlabyrinths. Nach einem verherrenden Stadtbrand 1835 zog seine Zuckerfabrik nach Bayreuth um, was auch Konsequenzen für den bürgerlichen Landschaftsgarten der Luisenburg hatte. Dieser wurde der Natur überlassen und die kulturgeschichtliche Seite des Labyrinths geriet langsam in Vergessenheit.

2005 besinnt sich Wunsiedel anlässlich des 200-jährigen Jubiläums des Besuches von Königin Luise und der Umbenennung in Luisenburg des bürgerlichen Landschaftsgartens. Seit 2007 bemühen sich die Stadt und der GEOPARK Bayern gemeinsam sowohl die kulturgeschichtlich wie auch die geologisch überaus große Bedeutung des größten Felsenlabyrinths in Europa bekanntzumachen.

TIPP

Durch das Felsenlabyrinth der Luisenburg führen Geoparkranger des Geoparks. Führungen für Gruppen auf Anfrage oder zu öffentlichen Terminen, u.a. zum Tag des Geotops (jeweils am 3. Wochenende im September).


Literatur (Auswahl)

BRAUN, K. (2005): Luisenburg. Ein vergessener Landschaftsgarten der Frühromantik. – 128 S.; Marburg (Jonas Verlag).

GOETHE, J.W. v. (1784): Über den Granit. – In: Goethes Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden. Band 13, 1948: 253-258; Hamburg.

PETERK, A. & ROTH, C. (2018): Exkursion E0.1 am 3. Mai 2018 (Wiederholung als Exkursion E2.2 am 6. Mai 2018). „Der Granit lässt mich nicht mehr los …“ – Auf den Spuren Goethes durch eines der bedeutendsten Geotope Bayerns: das Felsenlabyrinth Luisenburg. – In: PETEREK, A. & RÖHLING, H.-G. (Hrsg.): GeoTop 2018. Geotope als außerschulische Lernorte studieren, erleben und inszenieren. – Schriftenr. Dt. Ges. Geowiss., 93: S. 233-242; Hannover.

TVRDÝ, J. & PETEREK, A. (2023): GEOtrasa Žula / GEO-Tour Granit – Průvodce 12 &12 nejzajímavějšími místy v Česko-Bavorském Geoparku / Ein Reiseführer zu 12 & 12 ausgewählten Orten im Bayerisch-Böhmischen Geopark. – Broschüre Geopark Egeria/GEOPARK Bayern-Böhmen, 148 S.; Sokolov, Parkstein (Selbstverlag).

VOLLRATH, H. (1982): Goethes Reisen in das Fichtelgebirge. – 64 S.; Hof (Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde).


Bildimpressionen



Besuchen Sie auch die Bildergalerie "Luisenburg" auf unserer Homepage hier.





Hinweis

Das Felsenlabyrinth der Luisenburg ist ein Naturschutzgebiet. Es besteht ein Wegegebot.



Das Felsenlabyrinth der Luisenburg ist eines der 100 schönsten Geotope von Bayern.


Zur Orientierung
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Lagekarte



Lageplan im BayernAtlas

Audioguide für Ihren Besuch im Felsenlabyrinth


Unter Mitwirkung des GEOPARK Bayern-Böhmen hat die Stadt Wunsiedel über die Plattform HEARONYMUS einen Audioguide für den Besuch der Luisenburg erstellen lassen. Diesen können Sie über Ihr Smartphone und die Hearonymus-Audioguides-APP (kostenlos erhältlich über den App Store oder Google Play) gebührenfrei*) nutzen.

Das Einscannen des nachfolgenden QR-Codes führt Sie mit Ihrem Smartpone direkt zur HEARONYMUS-Plattform. Weitere Informationen erhalten Sie durch Anklicken des QR-Codes (externer Link!):



*) Sofern Sie über keine Internet-Flatrate verfügen, fallen Verbindungsgebühren gemäß Ihres Mobiltelefon-Anbieters an. Laden Sie den Audioguide ggfs. bereits vor dem Besuch über ein WLAN-Netz auf Ihr Smartphone.

Zusätzliche Informationen für Ihren Besuch in der Luisenburg finden Sie auf der Internetseite der Stadt Wunsiedel hier.